available languages: englishdeutsch Februar 28, 2018

Verschiedene Medien, wie zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung, berichteten kürzlich über Kampagnen von rechtsextremen Aktivisten, die während des Bundestagswahlkampfs  gegen Kanzlerin Merkel und ihren Herausforderer Martin Schulz unter Stichworten wie #NichtmeineKanzlerein oder #Verräterduell Stimmung machten.

44% dieser Twitter Konten sind weitgehend damit beschäftigt andere Nachrichten unkommentiert weiterzuverbreiten, also den Eindruck einer öffentlichen Erregung zu schaffen. Manche Konten verbreiten mehr als 400 Tweets am Tag und sind daher als automatisierte Konten einzustufen, die Twitter seit kurzem verbieten will. Thematische Schwerpunkte dieser Tweets sind die AfD, die SPD, Kanzlerin Merkel und die Frage der großen Koalition.

 

Es ist naheliegend, dass dieser sprunghafte Anstieg mit dem SPD-Mitgliederentscheid zusammenhängt. Rechtsextreme Aktivisten sind an einer Ablehnung der Großen Koalition interessiert, um den Eindruck einer Staatskrise zu erwecken und um die SPD zu spalten und zu schwächen. Aus demokratischer Sicht ist es selbstverständlich unproblematisch, dass Bürger gegen die Große Koalition sind.  Allerdings sollten Twitternutzer die Debatte auf diesem Medium kritisch hinterfragen: Wer spricht hier? Mit welchem Ziel? Und zu wem? Das Unternehmen Twitter sollte diese Konten rasch überprüfen und automatisierte Konten sofort schließen, damit sie die demokratische Debatte nicht manipulieren, indem sie den Anschein einer öffentlichen Meinung oder Erregung erwecken, die so gar nicht existiert.

 

DRI wird in den nächsten Tagen weitere Erkenntnisse der Analyse dieser Daten veröffentlichen.

 

Methode der Datenerhebung

Die Kampagne um die Bundestagswahlen ging von ca 3,760 Twitter Konten aus, die Hashtags wie #NichtmeineKanzlerin und #Verräterduell nutzen. Die Wortwahl und journalistische Aufklärungen haben gezeigt, dass diese Konten von rechtsextremen Gruppen gesteuert wurden. Für diese Studie haben wir die Aktivitäten von Konten dieser Gruppe seit September untersucht. Wir haben uns dabei auf 2,163 deutschsprachige Konten beschränkt, die zwischen dem 1. Januar und 22. Februar 2018 mehr als 460,000 Tweets verschickten (siehe oben). Diese haben wir hinsichtlich der meistgenutzten Hashtags und der Frequenz der Versendung von Tweets analysiert.

 

Pressenfragen bitte an Sandra Frank, s.frank@democracy-reporting.org

Democracy Reporting International ist eine gemeinnützige Organisation, die politische Teilhabe fördert. Unser Sitz ist in Berlin und wir haben Büros in Tunesien, Libanon, Ukraine, Pakistan, Sri Lanka und Myanmar. Mehr Informationen unter www.democracy-reporting.org

 

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